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Romanas Way of Life: Von Natur aus naturverbunden


Station Nr. 3: Im Dezember reist Romy für zwei Wochen in die schwedische Einsamkeit und besucht ihre Studienfreundin Romana im Wald.

Dieses Jahr beschließe ich die Vorweihnachtszeit in Schweden zu verbringen. Der Neugierde wegen entscheide ich mich für eine Zugreise und wage das Abenteuer „Bahn“.

Tatsächlich ist es ein Reh vor Münster, das nach nur zweieinhalb Stunden Fahrzeit mit der Bahn kollidiert und den Schienenverkehr fürs Erste lahm legt. Nichts desto trotz ist die Stimmung gelassen und mein Sitznachbar, ein älterer Herr aus Ostfriesland, sehr entspannt und humorvoll. Wir verstehen uns gut und üben uns in nordischer Gelassenheit: „Der Weg ist das Ziel und Zeit relativ.“ Mit einer Verspätung von gut drei Stunden geht’s mit neuer Lock Richtung Norden. Die Nacht verbringe ich bei einer Freundin in Kopenhagen und am nächsten Nachmittag geht’s über Malmö nach Örebro und schließlich nach Ställdalen, wo Romana mich gegen Mitternacht herzlich empfängt. Die Wiedersehensfreude ist groß und die ca. 20 stündige Bahnfahrt hat sich allemal gelohnt. Endlich angekommen freue ich mich nach der langen Reise über die Ruhe und frische Luft in Schwedens Wäldern.

Romanas Traum

Romana bewohnt und renoviert zur Zeit im Auftrag eines Bekannten ein altes schwedisches Holzhaus mitten im Wald. Dort lebt sie mit der kleinen Katze Ida, dem Hahn Magnus und seinen vier Hennen. Im Frühjahr legte sie verschiedene Beete nach Permakultur-Prinzipien an und erfreute sich im Sommer und Herbst über reiche Ernte. Kartoffeln, Rüben, Kohl und Fermentiertes hat sie im Erdkeller eingelagert und genießt so auch im Winter die Schätze ihres Gartens. Romana ist gelernte Schreinerin und Innenarchitektin. Das Interesse für ökologisches Bauen und ihr Traum nach einem einfachen und naturverbunden Leben führte sie 2016 als Wwooferin nach Schweden. Ihre Begeisterung für die Menschen und das Land wuchs schnell, sodass sie beschloss für längere Zeit in Schweden leben und sich ausprobieren zu wollen.


DAS INTERVIEW

Bei leckerem selbst gemachten Sauerteigbrot mit Marmelade und Fermentiertem aus dem eigenen Garten ergibt sich die Gelegenheit Romana einige Fragen zu ihrem Leben im schwedischen Wald zu stellen.

Romana, was hat dich nach Schweden verschlagen?

Ich habe mich schon zuvor oft hierher gedacht, schon vor einigen Jahren wollte ich immer mal nach Schweden fahren und auch immer mal länger hier bleiben.

Letztes Jahr bin ich dann vom Bodensee aus das erste Mal nach Schweden gefahren. Für acht Monate war ich auf verschiedenen Höfen unterwegs. Die Natur, die Weite, die Ruhe, das Friedfertige, das die Wälder hier ausstrahlen, was sich auch in den Menschen widerspiegelt, hat mich so fasziniert, dass ich mich direkt zu Hause gefühlt habe. Letztlich hat es mich immer wieder an diesen Ort und zu diesem Haus hingezogen. Ich merkte, das ist der Ort, an dem ich jetzt bleiben möchte. Solche Orte können immer wieder wechseln. Es ist nicht ein Ort, der bestimmt ist, doch jetzt für den Moment fühlt es sich genau richtig an hier zu sein.

Und die acht Monate lang bist du gewwooft?

Genau. Die acht Monate habe ich als Wwooferin verschiedene Höfe besucht. Vorher habe ich mir ansprechende Projekte mit dem Thema Permakultur auf der schwedischen Wwoof-Plattform ausgewählt. Ich habe im Süden von Schweden in der Nähe von Kalmar begonnen und mein jetziger Standort bei Koppaberg in Mittelschweden war der Nördlichste von ihnen.

Wie kommst du zu dem was du heute für Mensch und Natur tust? Was ist deine Überzeugung?

Ich war nicht immer auf diesem Weg, doch ich komme immer wieder hierhin zurück. Ich kann heute sagen, dass das Thema ökologisches Bauen und das Material Holz mich geführt haben. Nach der Schule absolvierte ich eine Schreinerlehre und habe seit ich denken kann den Bezug zum Rohstoff Holz. An diesem Ort ist dieser einfach in allem präsent - in den Häusern, in den Möbeln, in der Einrichtung und in den Wäldern.

Romana, empfindest du eigentlich keine Ängste alleine im Wald?

Ängste bezüglich Einsamkeit hatte ich nie. Ich hatte zu Beginn etwas Bedenken, wie es sein wird, wenn man etwas abgeschnitten ist voneinander und ein paar Tage hintereinander nicht mit jemandem kommuniziert. Doch einsam fühlte ich mich nie.

Ich genieße den großen Freiraum. Im Wald herrscht eine ganz andere Ruhe wie beispielsweise im Dorf. Man hört andere Geräusche bzw. nimmt sie anders wahr. Ich gewöhnte mich schnell an die Ruhe und liebe es immer noch sehr. Offen gestanden fühlte ich mich noch nirgends so verbunden und eins. Einsamkeit nahm ich in anderen Lebensabschnitten bei mir wahr, z.B. als ich direkt in der Stadt gewohnt habe.

Es ist ein schönes Gefühl nah an der Natur zu sein. Mit ihr eins zu sein. Einsamkeit ist mir hier als Gefühl nicht begegnet.

Eins sein mit der Natur. Was bedeutet denn Naturverbundenheit für dich genau?

Wir sind alle von Natur aus naturverbunden, weil wir Natur sind. Ich hatte auch Phasen in meinem Leben, in denen ich distanzierter von der Natur war, doch jetzt merke ich, dass ich mich in der Natur ruhig und mehr eins fühle. Diese Naturverbundenheit gibt mir eine Kraft, um die Dinge so umzusetzen zu können, wie ich es mir wünsche. Sie schenkt mir sehr viel inneren Frieden.

Was möchtest du mit deinem Projekt, mit deinem Tun vermitteln und weitergeben?

Jeder hat natürlich im Leben eine Wirkung. Diese gibt man automatisch durch die Art und Weise wie man lebt, durch das Leben an sich weiter. Bereits in kleinen Situationen kann man schon Menschen, denen man begegnet, andere Perspektiven eröffnen. Beispielsweise in dem man andere Menschen inspiriert oder etwas ans Laufen bringt.

Meiner Vorstellung nach ist das wie ein Kreismodell. Jeder Mensch hat eine Umgebung, um sich herum, in der er sich bewegt. Wie ein Kreis. Diese Umgebung ist ständig in Bewegung, im Austausch und in einer Wirkungsbeziehung mit anderen Menschen. Man spiegelt sich wider, vereint sich, uvm.

Bei Begegnungen von Menschen überschneiden sich die jeweiligen Kreise. Eine Gruppe, die zusammen etwas tut, besitzt einen großen Kreis, der sich aus vielen kleinen Kreisen zusammen setzt. Nimmt die Anzahl der Überschneidungspunkte zu, dann bewegt man sich in einem Netz aus Kreisen. Durch Gutes wird etwas in positives Schwingen gebracht.

Verfolgst du eine Vision zu diesem Ort? Und wie sieht diese aus?

Ich glaube, dass man immer an dem Ort, wo man sich befindet mit anderen Menschen das Ganze zu einem noch schöneren Ort gestalten kann. Indem man gemeinschaftliche Projekte angeht und man sich gegenseitig wieder anders oder besser versteht, sich trifft und zusammen kommt - und das Ganze mit Blick auf die Natur.

Wenn man mit der Natur zusammen arbeitet und nicht dagegen, dann kann man sehr viel Schönes bewirken. Konkret plane ich gemeinsam mit Freunden eine Art Essbare Stadt in Kopparberg. Es gibt bereits einen gemeinschaftlichen Garten, der an die Sprachschule angegliedert ist. Diesen möchten wir erweitern und nicht nur für Sprachschüler, sondern auch für Einheimische und alle Interessierten zugänglich machen.

Was schätzt du an der Region? Was vermisst du?

Ich schätze an der Region die friedvolle Landschaft, die Weitläufigkeit der Seen und Wälder, dieses Zarte und Sanfte der Natur.

Vermissen tue ich nichts.

Kannst du noch etwas zu deinem Lebenskonzept hier erklären? - Gerne auch im Bezug auf das Thema Selbstversorgung.

Das ist hier ein einfaches schwedisches Häuschen in Holzblockweise. Wenn man die Renovierung natürlich angehen möchte, gibt es heute keine andere Möglichkeit. Deshalb habe ich hier im Haus mit Lehm und Schilfrohr verputzt. Das Ganze geht einher mit dem Thema Selbstversorgung. Ich möchte von den Produkten in den Supermärkten nicht mehr abhängig sein. Produkte hinter denen Transportwege, Verpackungsmaterial und vieles mehr dahinter stehen. Bei denen man nicht mehr weiß, wie sie angebaut wurden. Ich möchte wieder mehr zum direkten Zyklus zurück kommen. Was ich in die Erde hinein gebe an Kraft und Energie, das gibt mir die Pflanze im direkten Wege zurück. Das ist etwas, dass ich sehr schön finde und genieße. Dieser direkte Weg erzeugt in mir ein gutes Gefühl.

Draußen hast du Hügel- und Kraterbeete angelegt, du hast einen Erdkeller in Gebrauch...

Genau, ich habe den Garten nach dem Permakultursystem, aus den Erfahrungen, die ich gesammelt habe und was ich mir dazu angelesen habe, angelegt. Ich bin sehr begeistert, dass das alles auch so gut funktioniert hat. Ich habe zwei Hügelbeete an einem Südhang angelegt. Ich habe eine Terrassenform gewählt, damit man so wenig wie möglich bewässern muss. Das Jahr über habe ich tatsächlich auch nicht bewässern müssen. Alles ist so gewachsen.

Eine andere Beetform ist das Kraterbeet. Da es hier in der Region kühler ist, wie zum Beispiel in Deutschland, macht das Sinn. Das Kraterbeet geht in den Boden hinein und hält durch die Form eines Kraters den Wind ab, es bietet den Pflanzen Schutz. Dort wachsen Kürbisse, Tomaten, Zuccini uvm. Im Erdkeller lager ich die Ernte.

Danke Romana für die tolle und gemütliche gemeinsame Zeit - diesmal im schwedischen Wald. Ich habe viele Freunde kennen lernen dürfen. So habe ich endlich die "Rikkenstorp Leute" getroffen und ihren wunderschönen Hof besucht. Wie schön auch in der schwedischen Provinz die südamerikanische Gastfreundschaft erleben zu dürfen. Gemeinsam mit Theresa, Hans und Limbdi aus Peru, Romanas Freunde aus der Sprachschule, haben wir Hans selbst gebackenes Baguette probiert, italienischen Panettone und Nürnberger Glühwein genossen - und viel gelacht. Überhaupt war es rundum sehr köstlich und ich freue mich auf unser Wiedersehen.

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