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Auf einer Wellenlänge auf Sylt - Teil 4 von 4 - "Geht nicht, gibt's nicht!"


Dennis ist seit April 2015 als Stationsbetreuer der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. Dort leitet er, neben der Station in Hörnum, vier weitere Stationsstellen auf der Insel und wird dabei seit Februar 2018 von seiner Kollegin Esther unterstützt. Er selbst war 2000/2001als Zivildienstleistender bei der Geschäftsstelle des Naturschutzvereins in Husum und im Anschluss als Praktikant zwei Monate in Hörnum. Dass er jetzt als Stationsleiter arbeitet, hätte er sich damals nicht erträumt.


Lieber Dennis, was sind deine Aufgaben als Stationsleiter?

Mein Aufgabenbereich ist sehr vielseitig. Ein Großteil meiner Aufgabe ist die Personalbetreuung. Das geht über Bewerbungs-, Antritts-, Zwischen- und Abschlussgespräche für die FÖJ-, BFD- und Praktikantenstellen. Der jährliche und teilweise monatliche Wechsel von freiwilligen Helfern ist enorm. Im Sommer sind bis zu 30 Mitarbeiter(innen) auf der Insel für uns aktiv. Ein anderer Teil meiner Arbeit ist das Networking und die Kontaktpflege zu den Kooperationspartnern hier auf der Insel. Ich treffe mich mit den Leitern der Jugendherbergen, auch mit Hoteliers und dem Fremdenverkehrsverein oder Sylter Unternehmern. Im Rahmen des Betreuungsauftrags für das Nationalparkgebiet zwischen Föhr, Amrum und Sylt, sowie für die Heide und Dünenlandschaft auf Sylt muss ich adäquate Berichte erstellen und abgeben. Zudem bin ich für die Marketing und Pressearbeit für die Nationalparkausstellung Arche Wattenmeer zuständig.

Wie erlebst du die jungen Erwachsenen in ihrem Freiwilligen Jahr hier auf Sylt? Erkennst du eine Entwicklung bei den einzelnen Charakteren?

Absolut! Hier passiert sehr viel Persönlichkeitsentwicklung. Es macht mir Freude die jungen Leute zu begleiten und zu sehen wie sie wachsen. Es erfüllt mich, zu erleben, wie sie sich in dem Jahr entfalten und an Fähigkeiten und Selbstvertrauen hinzu gewinnen. Natürlich ist die Zeit hier auch eine Herausforderung für die Schulabgänger. Wir sind alle sehr von der schulischen Entwicklung geprägt wie sie hier in Deutschland vorherrscht. In der Schule geht es grundsätzlich um Kopfarbeit. Hier sind sie gefordert sich selbständig einzubringen und praktisch zu handeln. Mein Motto ist „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Es ist wichtig Probleme anzupacken und gemeinschaftlich Lösungen zu finden. Ich denke, dass ist entscheidend, um für sich selbst und als Gesellschaft voran zukommen.

Es ist wichtig Probleme anzupacken und gemeinschaftlich Lösungen zu finden.

Ich denke, dass ist entscheidend, um für sich selbst und als Gesellschaft voran zukommen.

Ist aus deiner Erfahrung als Stationsbetreuer das Interesse an Natur- und Umweltschutz bei jüngeren Menschen höher als bei der älteren Generation?

Das ist eine gute Frage. Ich denke tendenziell schon. Die Jüngeren merken, dass es so nicht weitergehen kann und dass es einfach Wahnsinn ist, was da vor sich geht. Ich glaube, je älter man wird, umso selbstverständlicher werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme, die zum Teil unglaublich viele Ressourcen verbrauchen. Ich denke, als junger Mensch hat man einfach einen frischeren Blick auf die Dinge.

Eine Studie zum Thema Naturbewusstsein des DBU sagt, dass die Deutschen sehr naturbewusst sind, jedoch der Schritt ihr Wissen in die Praxis umzusetzen fehlt. Kannst du dir vorstellen woran das liegt?

Genau das ist auch mein Eindruck: das Wissen ist da, aber es mangelt an der Umsetzung. Wir haben allgemein eine große Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Ich glaube, es ist auch ein Stück weit Verdruss und eine Gefühl von Ohnmacht, das den Einzelnen lähmt. Im Vergleich zu den großen Konzernen fühlen sich viele Menschen machtlos und nicht wahrgenommen. Da gilt es den Spieß wieder umzudrehen, da jeder Einzelne sehr wohl Einfluss nehmen und etwas verändern kann. Wer bewusst wählt kann, Änderung herbei führen.

Wie kann hier die Arbeit eines Naturschutzvereins zum Umdenken und aktiven Handeln anregen?

Für uns als Naturschutzverein ist es wichtig eine Brücke zwischen Wissen und praktischem Handeln zu bauen. Darüber müssen wir neu nachdenken. Es geht darum viele neue Brücken zu bauen, um die Menschen abzuholen und sie der Umwelt wieder näher zu bringen. Auch gilt es einen Schritt weiterzudenken und aktive Erlebnisse zu schaffen, bei denen man Menschen zusammenbringt, die dann gemeinsam in der Interaktion etwas erarbeiten. Da gibt es schon etliche Anhaltspunkte, aber es muss soweit gehen, dass es nicht nur um Bildung, also theoretisches Wissen, sondern um die praktische Handlung geht. Wir müssen ein Erlebnis schaffen, das so tief sitzt und die einzelne Person berührt, dass diese wirklich die Motivation aus sich heraus entwickelt weiterzumachen und den Umgang mit der Umwelt ins Positive ändert.

Wir müssen ein Erlebnis schaffen, das so tief sitzt und die einzelne Person berührt, dass diese wirklich die Motivation aus sich heraus entwickelt weiterzumachen und den Umgang mit der Umwelt ins Positive ändert.

Was bedeutet es für dich mit der Natur und zeitgleich so nah am Meer zu leben?

Draußen am Meer zu sein macht die Sicht klar. In der Natur zu sein, empfinde ich als sehr befreiend und eröffnet mir immer wieder einen neuen Horizont und gibt mir Klarheit. Manchmal ist es für mich auch herausfordernd die Natur und die Landschaft nicht nur mit der Brille des Stationsbetreuers zu betrachten. Für mich ist es Luxus hier am Meer zu wohnen und die frische Luft zu atmen.

Und zuletzt, bist du ein Nature Lover? Fühlst du dich naturverbunden?

Ja absolut. Aus Naturbeobachtungen und Naturerlebnissen ist für mich ganz klar, dass die Natur schützenswert ist. Leider stehen dem viele andere Interessen und unser Wirtschaftssystem im Wege. Viele Menschen haben heute gar keinen Bezug mehr zur Natur. Sie wissen kaum noch wo Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden, was gut oder problematisch ist. Da braucht es Gegengewicht und eine Gegenbewegung. Diese sehe ich ganz klar in der Umweltbildung. Diesen Erfahrungsschatz gilt es schon in sehr jungen Jahren zu integrieren und bewusst zu machen.

Von Herzen Danke!

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Nena, ihren Freunden, Britta, Fiete und Dennis für die Zeit und die gemeinsamen, schönen Tage auf Sylt.

Wir wünschen euch alles Liebe und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen in der Eifel.

Eure Eifel Nomads

Romy & Anne

Hier findet ihr noch mehr zu Dennis und der Ausstellung "Arche Wattenmeer"

www.schutzstation-wattenmeer.de

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