• Eifel Nomads

Über die Liebe zu Reben und zur Handarbeit


Peter Hoffmann, ein junger Bio-Winzer von der Mosel, teilt seine Werte und Erfahrungen.

Seit nun 11 Jahren betreiben Paul und Margit Hoffmann ökologischen Weinanbau an der Mosel in Minheim. Zuvor haben die Hoffmanns ihr Weingut konventionell bewirtschaftet. Peter, der Jüngste von drei Söhnen, ist in Vaters Fußstapfen getreten und als gelernter Weinbau Techniker mit im Familienbetrieb aktiv.

Im ersten Interviewteil mit Peter Hoffmann erfährst du, was ihn dazu bewogen hat Bio-Winzer zu werden und was den Beruf so vielseitig macht.


Lieber Peter, wieso hast du dich für den Winzer Beruf entschieden und warum produziert ihr Bio-Weine?

An der Arbeit im Weinbau schätze ich, dass man sieht, was man tut – wie das in anderen Handwerksberufen auch oft der Fall ist.

Als Kind hat mich am meisten beeindruckt, wenn junge Reben, so groß wie eine Hand, eingepflanzt wurden und nach oben empor zur Sonne wuchsen. Wenn nach drei Jahren diese Pflanzen dann die erste Ernte einbringen, ist das sehr bewegend.

Nach meinen ersten Praktika im Weinbau, bin ich meiner Intuition gefolgt und habe mich für diese Laufbahn entschieden.

Seit 2007 produzieren wir Bio-Weine. Zu dem Zeitpunkt war ich noch ein Teenager und nicht so begeistert von Öko-Landwirtschaft. Meine Eltern haben sich damals sehr intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt. Sie haben sich bei anderen Öko-Winzern erkundigt, waren auf Seminaren und Workshops. Heute bin ich auch ein Verfechter vom ökologischen Anbau. Für mich ist es wichtig, die Natur zu erhalten und auf lange Sicht zu schützen. Das kann man mit biologischer Bewirtschaftung am besten erreichen.

Wie viel Hektar Land bewirtschaftet ihr?

Im Moment bewirtschaften wir sieben Hektar. Das ist eine normale Größe hier an der Mosel und eine Fläche, die man als Familienbetrieb gut gestemmt bekommt, ohne dass man feste Angestellte braucht. Wenn der Betrieb größer wird, wird es aus meiner Sicht unpersönlicher und der Schwerpunkt verschiebt sich oft eher in Richtung Profitstreben, als zu dem ursprünglichen Genuss des Produkts Wein.

Kannst du unseren Lesern erklären, wie dein Jahr als Bio-Winzer aussieht? Was sind deine Aufgaben verteilt über das Jahr?

Das Schöne am Winzerberuf ist, dass er unglaublich vielseitig sein kann. Im Winter beginnt bei uns das Vegetationsjahr und die Reben müssen geschnitten werden – auch wenn es mal schneit.

Im Frühjahr, werden die Triebe der Reben zum Teil ausgebrochen, damit sich andere wiederum besser entfalten können. Damit es später weniger Verdichtungen und Problemzonen gibt.

Gleichzeitig beginnt die Pflanzenschutzsaison, um Schadpilze an den Reben einzudämmen. In der Zeit werden auch Weinberge neu gepflanzt. Ältere Weinberge welche zu schwach oder auch zu krank sind fallen dem zum Opfer. Zudem findet im Frühling das Einsähen der Begrünungspflanzen (Leguminosen) statt. Die Rebtriebe werden in den schützenden Drahtrahmen eingefügt, damit sie bei starkem Wind nicht abbrechen. Das ist eine der größten Arbeitsspitzen, die wir so im Laufe des Jahres bewerkstelligen. Wenn die Trauben dann größer werden, verschafft man ihnen mehr Luft und Licht, indem man Blätter entfernt.

Es ist immer wieder etwas anderes, denn jedes Jahr hat seine eigenen Besonderheiten. Damit umzugehen und die richtigen Entscheidungen je nach Verlauf zu treffen, das ist die Kunst für einen guten Wein. Wenn Hagel oder Frost die Trauben zerstören, dann muss man auch damit umgehen können und zeitgleich noch versuchen das Beste herauszuholen. Die letzten Jahre hatten wir immer etwas Glück mit der Witterung.

Im Herbst, die beste Zeit des Jahres, können dann die reifen Trauben geerntet und eingefahren werden. In unserem Weinkeller werden die Trauben zunächst gepresst. Dabei entsteht Most. Das Fruchtfleisch setzt sich nach einer Zeit am Boden vom Behälter ab und die klare Flüssigkeit wird weiterverarbeitet.

Dabei gibt es sehr viele Ansatzmöglichkeiten und Philosophien, wie man einen Wein produzieren kann. Es ist unheimlich interessant sich da auszutoben und seine Ideen verwirklichen zu können.

Die Weinwerdung dauert so drei bis fünf Monate. Die Rotweine liegen in Holzfässern und brauchen etwas länger bis sie ausgereift sind. Holz ist ein lebendiges Material, das Sauerstoff durchlässt. Ein Edelstahltank, den wir für Weißweine verwenden, ist dagegen hermetisch abgeschlossen. Rotwein benötigt den Sauerstoff zur Reife. Bei uns lagern wir Rotwein nur in Eichenfässer. Die meisten davon kommen aus dem Pfälzer Wald.

Wenn die Weine fertig gereift sind, werden sie im Frühjahr abgefüllt und können nun getrunken werden. Das Jahr schließen wir mit dem Herbstende ab und es beginnt unser Weihnachtsgeschäft. Was man dabei nicht vergessen darf, ist den gesamten Weinvertrieb hier zu Hause, der ganzjährig stattfindet. Außerdem gibt es enorm viel Büroarbeit und einige Kontrollen zu leisten. Sehr vielfältig eben.


Was schätzt du besonders an der Region?

In allererster Linie die Menschen, die vielen Freunde, die ich hier gefunden habe. Weshalb es mir schwer fallen würde, die Region zu verlassen. Doch auch die Landschaft und das Heimatgefühl. Wenn man auf den höheren Ebenen spazieren geht und dann hinunter ins Moseltal schaut, ist das schon beeindruckend. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Außerdem sind die Wanderwege hier besonders schön, egal ob auf dem Hunsrück, in der Eifel oder an der Mosel. Wohingegen man in der Großstadt damit eben nicht so gut ausgestattet ist.

Wenn ich hier in der Natur bin und im Winter im Weinberg stehe, dann ist oft kein Mensch um mich herum. Ich höre nur meinen eigenen Atem und die Rebschere, die etwas klackt – das ist für mich echte Lebensqualität, weil man sich auf sich selbst einlassen kann.

Würdest du auch sagen, dass solche Momente, in denen du dir selbst und der Natur so nah bist, dass dieses Erleben für dich Naturverbundenheit bedeutet?


Ja. Durch die ganze Technisierung, auch bei uns im Weinanbau, bin ich manchmal einfach wieder froh, wenn ich mit meinen Händen an den Reben arbeiten kann und direkt mit den Pflanzen in Kontakt komme.

Das ist für mich viel wert.

Und ich mag es auch nicht den ganzen Tag im Büro zu sitzen. Ich finde es schön, die Vögel zwitschern zu hören und den Boden unter den Füßen zu spüren.

Gut, wenn es regnet kann es auch schon mal unangenehm sein, ja, das ist dann auch machbar (alle lachen).

Wo fühlst du dich noch naturverbunden?

Im Wald. Die Bäume sind für mich sehr faszinierend – insbesondere ihre Aura. In den Wäldern hat man eine besondere Ruhe zum Wandern, den Moment genießen und ja wenn ich da durchstreife, dann ist das für mich richtig spürbare Naturverbundenheit. Ich habe für mich festgestellt, wenn man sich mal bewusst gegen Technik, wie das eigene Smartphone entscheidet, was für ein Luxus es ist, die Ruhe erst richtig spüren zu können.

Hast du einen Lieblingswein?

Ja in der Tat. Aber der ändert sich stündlich (alle lachen). Im Moment trinke ich am liebsten einen trockenen Riesling. Das hängt von der Stimmung ab. Es darf auch mal was ausgefallenes sein oder von weiter weg.

Auch von der Konkurrenz?

Ja natürlich. Man muss unbedingt ganz viel Konkurrenz trinken. Das ist ja auch mit das Schönste bei der Ausbildung und dem Lebensweg – das so viel Genuss dazu gehört. Man muss natürlich aufpassen, dass es nicht ausartet.

Peter macht sich gerade dazu Gedanken, ob er den Betrieb seiner Eltern weiter führen möchte und wenn, dann möchte er noch ein paar Dinge verändern. Außerdem plant Peter eine Eigenmarke. Das heißt schon bald werden Peters Weine im Regal anzutreffen sein - haltet Ausschau.

Wer mal bei Familie Hoffmann zu Hause war, auf ein Gespräch, zur Besichtigung oder auf eine Weinprobe, weiß wie viel Herzlichkeit und Überzeugung diese Familie ausstrahlt. Es sind natürlich vor allem die Weine, als Endprodukte, die nach außen sichtbar werden und um dessen Verkauf es geht. Doch jede Flasche Wein ist das Resultat eines monatelangen Wachstums- und Reifeprozesses, den Peter und seine Eltern mit viel Hingabe und Fürsorge begleiten. Ohne die Handarbeit, die gelebte Passion und Wertschätzung für die Menschen, die Erde und Natur, wäre der Geschmack ganz sicher ein anderer.

Wer sich bei Peter, Margit und Paul Hoffmann informieren oder Weine käuflich erwerben möchte, kann dies hier tun: Weingut Hoffmann

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