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Unter freiem Himmel - Das Jugend-Zeltlager Union Wetten in der Eifel


Jedes Jahr im Sommer macht sich die Jugendabteilung des Sportvereins Union Wetten (NRW) auf den Weg in die Vulkaneifel. Dieses Jahr reisen 65 Kinder mit. Zwei Wochen lang können sie in der freien Natur spielen, toben, die Natur entdecken und neue Freunde kennen lernen.

Laura Kröll, die jeden Sommer ihrer Kindheit und Jugend beim Zelten in der Eifel verbracht hat, ist nun seit drei Jahren als ehrenamtliche Betreuerin mit dabei. Für sie ist die Eifel ihr zweites zu Hause geworden.


Liebe Laura,

wie war die Zeit, in der du als Kind mitgefahren bist – kannst du dich noch daran erinnern?

Ja definitiv. Ich habe mich schon das ganze Jahr darauf gefreut, die ersten zwei Wochen in den Sommerferien im Urlaub zu sein. Es ist natürlich anders wie Familienurlaub. Es ist einfach nochmal was anderes, die Zeit ohne Eltern und mit Freunden über einen längeren Zeitraum zu verbringen. Jedes Mal war es eine schöne Erfahrung für mich.

Wie war es für dich im Zelt zu schlafen?

(lacht) Die ersten drei Jahre hatten wir Luftmatratzen. Das war ziemlich unbequem. Dann kamen die ersten mit Feldbetten an. Und nun haben wir alle Feldbetten. Man kann einfach viel besser darauf schlafen.

Dennoch war es jedes Mal eine Umstellung, denn an das Draußen schlafen musste ich mich als Kind erst mal gewöhnen.

Welche Bedeutung hat denn die Natur für dich heutzutage?

Ich studiere ja in Bochum, einer größeren Stadt. Das ist ein großer Unterschied zu diesem Ort. Hier kann ich mich super erholen. Ich höre keinen Straßenlärm und bin nicht erreichbar, weil ich kein Netz habe – so sehen das auch die anderen Betreuer. Es ist entspannend und für mich trotz der Arbeit einfach Urlaub.

Zum Beispiel setze ich mich mit den Mädels mit Stühlen in den Bach und wir basteln Traumfänger oder Armbänder. Klar, es kann auch anstrengend sein mit so vielen Kindern, doch die Erholung überwiegt.

Warum hast du dich entschieden als Betreuerin mitzufahren?

Weil ich als Kind mitgefahren bin und wusste wie schön es immer in der Eifel war. Als kleineres Kind macht man sich nicht so viele Gedanken, wie viel da wirklich dahinter steckt. Doch mit 13 oder 14 da bekommt man das doch schon mehr mit. Ich erinnere mich noch, als ich das letzte Mal als Jugendliche mitgefahren bin, war ich echt traurig. Ich hatte Sorge, dass hier alles nicht wiederzusehen. Als ich dann das Angebot bekam, als Betreuerin mitzufahren, stand meine Antwort sofort fest. Ich möchte den Kindern auch Erfahrungen weitergeben, die ich selbst machen konnte.

Du kennst die Kids ja zum Teil auch aus dem Verein. Merkst du einen Unterschied am Verhalten der Kids, wenn sie hier in der freien Natur sind?

Was mir auffällt, ist, dass die meisten Kinder sich sehr gut selbst beschäftigen können. Sie bauen etwas, sie denken sich etwas aus, sind kreativ – wie zum Beispiel das Aquarium Projekt.

Wir geben ihnen auch ganz bewusst diese Zeit.

Zu Hause haben sie immer noch die Möglichkeit sich vor den Fernseher zu setzen oder sich ablenken zu lassen. Hier haben sie keine andere Möglichkeit. Wenn sie dann mal Feuer gefangen haben, ist es schwer sie davon wieder loszubekommen.

Ein paar Kinder sind schon darunter, die sich mit der freien Zeit in der Natur auch schwer tun. Sie stehen dann vor dem Betreuerzelt und fragen nach, was sie tun könnten.

Die ältesten Kids überlegen sich oft schon vor ihrem Besuch hier, was sie in der Zeit im Zeltlager machen könnten. Die Kleineren haben zu Beginn manchmal noch Heimweh. Und wenn das so ist, dann sind der Zeltzusammenhalt und die Unterstützung untereinander in den einzelnen Gruppen wirklich extrem gut.

Was gefällt dir an der Eifel?

Auf unseren Wiesen gefällt mir, dass hier so viel Platz ist und sonst nichts anderes. Diese Freiheit. Klar, man muss oft etwas weiter fahren, um in eine Stadt zu kommen – doch das ist auch schön, denn auf dem Weg dorthin fährt man durch viele kleine Eifel-Dörfer.

Würdest du sagen, dass dieser Ort wie eine zweite Heimat für dich ist?

Ja, irgendwie schon. Am Dienstag war ich mit einem Betreuer unterwegs und auf dem Rückweg, als wir von der Autobahn abgefahren sind, hat er zu mir gesagt: „Endlich geht es nach Hause“. Und das empfand ich genauso. Es ist wirklich für alle Betreuer einfach ein fester Bestandteil, dass man zwei Wochen im Jahr hier ist.

Hast du das Gefühl, wenn du hier bist, dass du dich dann stärker mit der Natur verbunden fühlst, als zu Hause oder in Bochum?

Ja auf jeden Fall. Wir sind ja umgeben von Natur. Wenn ich im Zelt liege, höre ich den Wind, den Regen aufs Zelt plätschern, Tiergeräusche und das Bachwasser plätschern.

Ja und diese Wanderwege wie hier in der Vulkaneifel gibt es bei uns einfach nicht.

Wir unternehmen mit den Kindern nicht nur Spiele, sondern gehen auch mit ihnen wandern. Und nach einer langen Wanderung mit Schwimmbadaufenthalt sind sie abends immer noch voller Energie. Das ist schon erstaunlich. Wahrscheinlich schlafen sie sich, wenn sie nach Hause kommen, erst mal aus.

Wie bereitet ihr euch auf das Zeltlager vor?

Das Betreuerteam trifft sich vor Ostern das erste Mal. Wir arbeiten zusammen Spiele aus und planen die Abläufe.

Hier vor Ort setzen wir uns um 23 Uhr als Team immer zusammen und sprechen über den Tag. Was war gut, was war nicht so gut? – und über das, was wir den nächsten Tag vorhaben.

Wir freuen uns, als Team hier zusammen sein zu können. Aus meiner Sicht sind wir echt ein gutes Team.

Die Kinder haben sich dieses Jahr ein Aquarium als Projekt frei überlegt und umgesetzt. Eine Gruppe fängt im oberen Bachlauf Fische, die andere baut das Aquarium im Bach mit Steinen und passt auf, dass diese nicht entweichen können. Denn das Aquarium dient dem Schutz der Fische, so die Kids. Es gibt sogar einen Besuchersteg, um die Fische besser sehen zu können, und geregelte Öffnungszeiten.

Interview Kids - mit Lia, Louis und Luis

LIA

Was findest du an dem Zeltlager so schön und wie oft warst du schon dabei?

Lia: Ich war zwei Mal dabei, also dieses Jahr das zweite Mal. Und am Zeltlager finde ich so schön, einfach mal zwei Wochen ohne Eltern zu sein. Und dass wir in der freien Natur schlafen können - im Zelt.

Und mit wem bist du im Zelt?

Lia: Mit Anna, Tabea, Jana und Melanie.

Habt ihr auch einen Gruppennamen?

Lia: Ja. Die Wild Berries.

LOUIS, ihr Bruder

Was findest du an dem Zeltlager so schön und wie oft warst du schon dabei?

Louis: Ich bin das dritte Mal mit dabei und am Zelten finde ich auch schön, zwei Wochen ohne Eltern zu sein. Und mit anderen zu Zelten, in einem richtigen Wald. Und dass man hier keine elektronischen Geräte verwendet, denn zu Hause da kommt man nicht drum herum. Man muss zu oft was nachschauen oder so.

Und mit wem bist du im Zelt?

Louis: Mit Luis, Michel, Julian, Joshi und Ole.

Wie ist euer Gruppenname?

Louis: Die besoffenen Acht (alle lachen).

Wie kamt ihr denn auf den Namen?

Wir haben im Lädchen hier im Zeltlager Malzbier gekauft und dann haben wir betrunken sein gespielt.

LUIS

Was findest du an dem Zeltlager so schön und wie oft warst du schon dabei?

Luis: Ich finde es super, dass man auf sich alleine gestellt ist, zum Beispiel, wann putze ich mir die Zähne und überhaupt was ich mache. Das finde ich ganz schön. Wir haben auch einen Fluss an unserer Wiese, an dem wir schön spielen können.


Gibt es etwas, dass ihr ganz besonders gerne macht?

Luis: Ja, Spiele spielen.

Und denkt ihr euch auch selber welche aus?

Luis: Ja ab und zu schon. Wenn wir kein Geländespiel machen, dann schon.

Lernt ihr hier auch neue Freunde kennen?

Luis: Ja. Ich bin jetzt in der fünften Klasse. Viele von uns sind auf verschiedenen Schulen. Man trifft sich hier, das schweißt ein bisschen zusammen.

Ein großes Highlight des Zeltlagers ist die Bühne, auf der am zweiten Samstagabend eine Show aufgeführt wird. In Gruppen überlegen sich die Kids, was sie vor dem Publikum präsentieren möchten. Zu dem Termin sind auch die Sponsoren vom "Wettener Lager" geladen.

Die Männer haben sich ihre Betten in den Betreuerzelten selbst gebaut. Überhaupt findet man auf dem Platz fast nur Selbstgebautes. Einmal im Jahr verwandelt sich der sonst stille Platz inmitten der Natur in ein Erlebnis-Camp. Das Zeltlager war einst ein reines Zeltlager für Jungs, in dem es Sonntags immer einen Messdienst in der Natur gab.

Herzlichen Dank an alle, die bei diesem Beitrag mitgewirkt haben - vor allem an Laura, Lia, Louis & Luis! Hier geht es zur Website des Sportvereins und zu mehr Impressionen.

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