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Bee wild! Adrians Wildbienen Hotspot und Selbstversorger Garten - Teil 1 von 2

Seit seiner Kindheit verwandelt Adrian den elterlichen Garten in Reifferscheid in ein Selbstversorger-Paradies. Heute studiert er im 4. Semester Agrarwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Pflanzenbau und Bodenkunde zählen zu seinen Lieblingsfächern. In der Woche lebt er in der Stadt und schätzt den Austausch mit Kommilitonen und das Studentenleben. Seine freie Zeit verbringt er an Wochenenden und in Semesterferien meist in Reifferscheid bei seinen Eltern. Hier widmet er sich mit besonders viel Herz seinem Garten, Hühnern und Bienen und genießt die Natur und die Ruhe in der Eifel.


Adrian und sein umschwärmtes Bienenhotel.

Lieber Adrian, woher kommt deine Begeisterung für den Garten und die Natur?

Schon seit meiner Kindheit verbringe ich sehr viel Zeit im Garten und draußen in der Natur. Als Kind habe ich zum Geburtstag einen Rosenstrauch geschenkt bekommen, den ich eingepflanzt und gepflegt habe. Darauf folgten fruchttragende Beerensträucher und Tomatenpflanzen, irgendwann hatte ich mein eigenes kleines Gemüsebeet. Heute gibt es in unserem Garten verschiedene kleinere (Hoch-) Beete, ein Gewächshaus und mehrere Obstbäume. Ich habe ein Honigbienenvolk, 10 Hennen und einen Hahn und heimische Biotopfische, wie Elritzen, Bitterlinge, Moderlieschen und Gründlinge, bewohnen unseren Gartenteich. Sehr fasziniert bin ich von den bestimmt über 1000 Wildbienen, die das von mir aufgestellte Bienenhotel befliegen und als Nisthilfe nutzen. Das ist schon eine Besonderheit.


Wann hast du deine Liebe zu den Wildbienen entdeckt?

Das war vor ca. 5 Jahren als ich mein erstes Insektenhotel gebaut und aufgestellt habe.

Im darauffolgenden Frühjahr stellte ich fest, dass die Nisthilfen von verschiedenen Insektenarten angenommen wurden, darunter auch Bienen. Ich war zunächst etwas überrascht, dass auch Bienen die Schilfröhrchen bewohnten. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es neben Honigbienen, die ja bekanntlich in einem Volk zusammenleben, auch Wildbienen wie Mauerbienen gibt, die solitär, also einzeln leben. Daraufhin habe ich mehr über Mauerbienen recherchiert und meine Begeisterung für die Wildbienen war geweckt.


„Wenn ich die Bienen beobachte, vergesse ich die Zeit und alles um mich herum – sie ziehen mich in ihren Bann.“

Mauerbienen bei der Paarung. Die männliche Drohne ist deutlich kleiner als die Königin.

Kurz und knapp, was sind die Hauptunterschiede zwischen Honigbienen und Wildbienen?

Honigbienen leben staatenbildend in einem Volk und werden in erster Linie von Imkern gehalten, um Honig, Wachs und Propolis zu gewinnen. Bei der Bestäubung von Pflanzen und Bäumen spielen sie wie die Wildbienen eine wichtige Rolle. Dabei sind Honigbienen polylektisch, das heißt sie sammeln und ernähren sich von Pollen verschiedener Pflanzen. Viele Arten der solitär lebenden Wildbienen hingegen sind oligolektisch und sammeln den Pollen einer Pflanzenart oder eng verwandten Arten. Diese Eigenschaft verdeutlicht besonders, wie sehr das gegenseitige Überleben, also die Koexistenz von Insekten und Pflanzen, voneinander abhängig ist. Wildbienen fliegen im Frühjahr schon bei kühleren Temperaturen aus und werden daher von Mauerbienenzüchtern oft zur Bestäubung von Obstplantagen ausgebracht.


Wie gefährlich sind Mauerbienen? Können sie stechen?

Mauerbienen sind absolut harmlos. Sie sind im Vergleich zu Honigbienen nicht aggressiv. Ich sitze oft hier auf meinem Stuhl mitten in der Einflugschneise und wurde noch nie gestochen. Ein Stich mit ihrem kleinen und verkümmerten Stachel soll allenfalls auch nur leicht kitzeln.




Was ist zu beachten, wenn man ein Bienenhotel selbst bauen möchte?

Für den Bau eines Bienenhotel verwendet man gut abgetrocknetes Hartholz, wie Buche oder Eiche. Die Löcher werden in verschieden Durchmessern und mit ausreichend Abstand ins Längsholz gebohrt, so vermeidet man dass Risse entstehen, denn das passiert, wenn man z.B. Holzscheiben verwendet und ins Stirnholz bohrt. Eine Abdeckung aus Metall oder Holz schütz vor Regen und im Winter vor Schnee. Zum Schluss sollte ein Kaninchen-Draht mit etwas Abstand zu den einzelnen Nisthilfen angebracht werden, damit Vögel nicht die Kammern aufbrechen und die Larven fressen. Das Bienenhotel sollte an einem vor Witterung geschützten, sonnigen Ort platziert werden und wenn die Möglichkeit besteht nach Osten, oder Süd-Osten ausgerichtet werden.


Warum ist eine naturnahe Gartengestaltung für die Förderung der Wildbienen wichtig?

Eine Nisthilfe für Wildbienen allein reicht nicht aus, wenn keine Futterquellen vorhanden sind. Eine naturnahe Gartengestaltung mit heimischen Blumen und Sträuchern ist deshalb sehr wichtig, da ein vielseitiges und reiches Nahrungsangebot für eine erfolgreiche Ansiedlung und die Förderung von Wildbienen essenziell ist. Was viele beispielsweise nicht wissen ist, dass die Blüten vieler exotischer Ziersträucher so üppig gezüchtet wurden, dass gar keine Trachtquellen mehr vorhanden sind. Für den Bau der Brutkammern, ist es natürlich auch wichtig, dass die Bienen Erde und Lehm in der Nähe auffinden können.




Welche Rolle spielen wir, die Konsumenten, hierbei?

Ich denke wir als Konsumenten müssen die Bereitschaft aufbringen unser Konsumverhalten radikal zu ändern. Wir müssen es den Landwirten überhaupt ermöglichen, dass sie ihre Felder ökologisch und nachhaltig bewirtschaften und dass artgerechte Tierhaltung als Standard auf allen Ebenen etabliert wird. Landwirte werden durch unseren Konsum zu Marionetten, die wir steuern, denn die Nachfrage bestimmt den Markt. Wir als Konsumenten bestimmen letztlich selbst, was wann, wie und zu welchen Preisen produziert wird. Erst mit dem eigenen Anbau von Gemüse, bekommt man wieder ein Gefühl für den Wert der Lebensmittel.


Ich denke vielen Menschen sind die hohen Umweltfolgen nicht bewusst, die die Produktion von immer noch günstigeren Lebensmittel mit sich bringt. Hier sind Aufklärung und ein grundlegendes Umdenken und Handeln für mehr Natur, Vielfalt und Gesundheit notwendig."

Was gefährdet den Lebensraum der Wildbienen und Insekten besonders?

Die industrielle und intensive Landwirtschaft, insbesondere das vermehrte Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und die „Landschaftsüberpflege“, also das Aufräumen der Landschaft, tragen einen großen Teil zum Rückgang der Insekten und zum allgemeinen Artensterben bei. Bei der Verwendung von Breitband-Herbiziden, wie beispielsweise „Glyphosat“, gehen wichtige Beikräuter als Nahrungsquelle für Insekten und andere Arten verloren. Weniger Insekten bedeutet aber auch gleichzeitig ein Rückgang der Avifauna, der Vogelwelt, da auch diesen nun ein Teil ihrer potenziellen Nahrungsquelle verloren geht. Man sieht also alles hängt in der Natur zusammen.




Wildblumenwiesen und Staudenbeete sind doch viel schöner als Einheitsrasen. Ich möchte mehr Menschen hier vor Ort für naturnahe Gartengestaltung, Gemüseanbau und für die Natur begeistern.

Was kann deiner Meinung nach jeder einzelne zu einem positiven Wandel beitragen?

Ich fände es schön wenn jeder, dem ein Garten zur Verfügung steht, z.B. ein Stück Rasenfläche in Blumenwiese oder in ein Staudenbeet umwandelt und so Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten schafft und sich selber an den verschiedenen Blüten im Laufe der Jahreszeiten erfreut. Man kann auch einen Kompromiss finden. Es muss auch nicht jeder Selbstversorger werden und seinen Garten so radikal verändern, doch die meisten die hier her kommen finden meinen Garten toll und lebendig. Was auch daran liegen mag, dass er durch die umliegenden lebensfeindlichen „Rasen – und Steinwüsten“ besonders hervorsticht. Die Gartenarbeit bereitet mir sehr viel Freude. Während der Arbeit mit der Natur vergesse ich alle Dinge des hektischen Alltags und lerne wieder den Fokus auf die wichtigen Dinge im Leben zu setzen.


Kontrastprogramm: Schotterwüste in einem Neubaugebiet im Kreis Euskirchen.

Du lebst in Bonn und in der Eifel, wo ist es „grüner“?

Kurioser Weise ist meine Erfahrung, dass das Bewusstsein für Natur und Umwelt bei der städtischen Bevölkerung höher ist als bei der hiesigen ländlichen Bevölkerung. Viele junge Menschen in der Stadt gehen hin und legen Gärten an, wie zum Beispiel die "Stadtfrüchtchen" in Bonn, und es gibt viele Stadtimker, die ihre Völker auf Gründächern aufstellen. Ich habe das Gefühl, jede kleine Grünfläche in der Stadt wird genutzt, Terrassen und Balkone mit Blumen begrünt und belebt.


Kannst du dir vorstellen, dass auch hier auf dem Land eine „grüne Revolution“ à la "Stadtfrüchtchen" möglich ist?

Ja, das Potential ist auf jeden Fall vorhanden, vor allem auch weil der Raum da ist. Viele junge Menschen haben sicherlich die Möglichkeit im eigenen Garten oder in Gärten von Eltern und Großeltern etwas Gemüse und Salat anzubauen – und sei es nur ein oder zwei Zucchini auf dem Kompost. Ich glaube, wenn jeder ein kleines Blumen- oder Gemüsebeet anlegt, kann man gemeinsam schon sehr viel bewegen. Ich will Vorbild für Nachbarn, Freunde und Bekannte sein und zeigen was in einem normalen Hausgarten in der Eifel möglich ist. Interessierte können sich gerne bei mir melden und sich meinen Garten anschauen. Ich stehe sehr gerne zum Austausch und zur Wissensvermittlung zur Verfügung.


Nice to know: Workshop Bienenhotel

Gemeinsam plant die Eifel Nomads Community im August/September einen Workshop zum Bau eines Bienenhotels. Wenn du Interesse hast daran teilzunehmen, dann kannst du uns gerne vorab eine Email senden. Weitere Infos folgen in den nächsten Wochen.


Du möchtest mehr über Bienen und Gartenbau erfahren? Gerne kannst du Adrian eine Email schreiben und ihn gleich selbst kontaktieren (Adritz.13 [at]t-online.de)


Mehr Infos von Adrian für dich:

Wissenswertes_ueber_Mauerbienenpdf



Nisthilfen (die auch wirklich was nützen…) für Wildbienen selbst bauen: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13704.html


Informationen über Wildbienen und deren Schutz: https://www.wildbienen.info/index.php


Lieber Adrian, vielen Dank für deine Zeit und das schöne Gespräch mitten in der Einflugsschneise vor deinem Bienenhotel.


Romy