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Ein Herz für Vögel - Mona als Vogelberingerin auf der Greifswalder Oie

Aktualisiert: 18. Mai 2019

Die Greifswalder Oie ist der ornithologische Hotspot Deutschlands.

Das ca. 54 Hektar große Eiland liegt in der Pommerschen Bucht, ca. 12 Kilometer nördlich von Usedom und ca. 10 km östlich von Rügen mitten in der Ostsee. Im April 2018 hatte Romy die Möglichkeit, die Ornithologin und Studentin der Biodiversität Mona für ein paar Tage auf der Insel zu besuchen und sie bei ihrer Arbeit als wissenschaftliche Vogelberingerin zu begleiten.


Angereist bin ich recht ahnungslos, ohne Fernglas und Spektiv, sodass bereits auf der Überfahrt klar war, dass ich nicht vom Fach bin. Umso abenteuerlicher und eindrucksreicher war meine Zeit bei eisigen Minustemperaturen und stürmischen Böen unter den „Ornis“ mitten in der Ostsee. Die Insel ist seit 1995 vollständig als Naturschutzgebiet deklariert und für Touristen nur zu ausgewiesenen Zeiten erreichbar. Seit 1993 betreut der Naturschutzverein Jordsand die Insel. Die Station selbst wird ganzjährig von einer Stationsleitung sowie 1-3 FÖJ- und BFD‘lern betreut und während der Beringungs-Saison von einem Beringer sowie bis zu 8 ehrenamtlichen Helfer*innen unterstützt.


Mona als Vogelberingerin auf der Greifswalder Oie

Liebe Mona, woher kommt deine Leidenschaft für Vögel?

Meine Leidenschaft für Vögel wurde während meiner Zeit als FÖJ'lerin bei dem Naturschutzverein Schutzstation Wattenmeer im Nationalpark Wattenmeer auf Sylt geweckt. Bei meiner Arbeit als Gebietsbetreuerin habe ich bei den regelmäßigen Vogelzählungen viel ornithologisches Hintergrundwissen erhalten, das meine Begeisterung für Vögel besonders entfacht hat. Während meines Studiums habe ich dann ein Praktikum als Beringungshelferin hier auf der Greifswalder Oie absolviert.


Was fasziniert dich besonders an der Vogelbeobachtung?

Es ist die Faszination für das Lebewesen an sich. Ich bin vollkommen beeindruckt, dass die kleinen Singvögel kilometerweite Strecken ziehen können - und das jedes Jahr von Neuem. Wie beispielsweise das kleine Wintergoldhähnchen, das während seines Zugs über 2000 km in einem Jahr zurücklegen kann.


Was ist denn der Sinn und Zweck der wissenschaftlichen Vogelberingung?

Die wissenschaftliche Vogelberingung dient dazu, die Bestände der verschiedenen Vogelarten festzustellen. Auch das Zugverhalten der Tiere kann so durch die wissenschaftliche Datenaufnahme langfristig beobachtet und ermittelt werden. Hierbei helfen uns Wiederfunde von bereits markierten Vögeln besonders gut. Die Auswertung der Daten eines bereits von uns oder einer anderen Station beringten Vogels gibt uns Hinweise auf das artspezifische Zugverhalten der Vögel. So erfahren wir, welche Distanzen die Tiere zurücklegen und an welchen Stellen sie Rast machen oder brüten. Mit Hilfe der Datenauswertung können auch Schutzmaßnahmen besser gelenkt werden. Während des Vogelzugs im Frühjahr und Herbst fangen und beringen wir jährlich um die 20.000 Vögel und sammeln so wichtige Daten über die Bestände und das Zugverhalten der verschiedenen Arten.


„Anhand der Entwicklung und Beschaffenheit von bestimmten Merkmalen,wie dem Auge,kann ich zum Beispiel einen Jungvogel von einem Altvogel unterscheiden.“


Was sind deine Aufgaben als Stationsberingerin?

In erster Linie bin ich für die Koordination der freiwilligen Helfer und für die Beringung der Vögel verantwortlich, das viel Erfahrung voraussetzt. Ich bestimme den Vogel nach Art, Alter, Geschlecht, Gewicht und weiteren Kriterien und gebe diese Daten in die Datenbank ein. Anhand der Untersuchung des Gefieders und der Gefiederstruktur kann ich das Alter des Tieres bestimmen.


Wie gestaltet sich der Kontrollablauf der Netze im Fanggarten?

In unserem Fangarten stellen wir zu Saisonbeginn feine Netze auf, mit denen wir die Vögel zur Beringung fangen. Diese kontrollieren wir dann täglich von der Morgendämmerung bis bis zum Abend - das heißt je nach Sonnenstand beginnt der Tag für uns in der Sommerzeit bereits um 04:00 Uhr in der Früh und endet spät nach 22:00 Uhr am Abend. Die Kontrolle der Netze erfolgt in der Regel stündlich. Gefangene Tiere werden rasch aus den Netzen befreit, in kleinen Baumwollsäckchen eingesammelt und zu mir in das Beringungshäuschen gebracht.


Wie viele Vögel registriert ihr an einem vogelreichen Tag?

An einem Massentag untersuchen und beringen wir manchmal um die 800 Vögel. An windstillen, klaren Tagen und Nächten ziehen viele Singvögel über die Insel hinweg. Verschlechtert sich jedoch beispielsweise nachts plötzlich die Sicht oder die Windverhältnisse, dann nutzen viele Zugvögel die Insel als Rastplatz. Ein reibungsloser Ablauf klappt natürlich nur dank vieler fleißiger Helfer!


„Das Zeitgefühl verliere ich bei meiner Tätigkeit als Beringerin häufig. Wenn an den sogenannten Massentagen viel los ist, sitze ich hier auch schon mal ununterbrochen 3 oder 4 Stunden ohne Pause und beringe und untersuche die eingefangen Vögel. Das ist natürlich sehr anstrengend, macht mir aber unglaublich viel Freude!“

Was passiert wenn dich zwischenzeitlich während eines Massentages niemand ablösen kann?

Wenn ich merke, dass ich nach 3 Stunden durchgehender Beringung eine Pause brauche, jedoch keiner mich ablösen kann, dann gebe ich meinen Fängern rechtzeitig Bescheid die Netze zuzumachen, damit nicht weitere Vögel in die Netze fliegen. Das Beringen und die Untersuchung der Vögel bedeutet in einem gewissen Maße Stress für die Tiere, darum muss die Arbeit zügig voran gehen, damit die Tiere schnell wieder freigelassen werden können. Das Wohl der Tiere steht für uns an erster Stelle.


Die Ringe sind der Personalausweis der Vögel. Anhand der Nummer auf dem Ring lassen sich alle wichtigen Daten über den Vogel und seine Route auslesen.


Was gibt dir dein Tun als Stationsberingerin hier auf der Greifswalder Oie?

In erster Linie sehr viel Motivation. Zum einen fasziniert mich die Artenvielfalt der durchziehenden und stationären Vögel, es gibt einige Sing- und Wasservögel die dauerhaft hier leben und viele Zugvögel, die diesen Fleck Erde als Rastplatz auf ihrer jährlichen Reise in den Norden oder Süden nutzen. Zum anderen gibt mir der Wissensaustausch mit anderen Helfern und erfahrenen Ornithologen während meines Aufenthaltes auf der Beringungsstation immer sehr viel Anregung und Input und erweitert meinen Wissensstand enorm.


Was schätzt du besonders an deiner Zeit auf dem Eiland mitten in der Ostsee?

Ich schätze die Ruhe und das einfache Leben mit Gleichgesinnten auf der Oie sehr.

Im alltäglichen, „zivilisierten“ Leben muss ich mir keine Gedanken ums Heizen machen, der Strom kommt aus der Steckdose und das warme Wasser aus dem Wasserhahn.

Im Inselhaus können wir nur mit dem Holzofen heizen. Das lehrt uns alle einen sehr bewussten und achtsamen Umgang den Rohstoffen. Die Holzvorräte müssen zum Beispiel zwei Jahre im Voraus angelegt und entsprechend nachhaltig genutzt werden. Ich empfinde es für mich als sehr angenehm, in diesen drei Monaten von der Außenwelt abgeschottet zu sein und so der Reizüberflutung in einer durchaus konsumorientierten Gesellschaft entgehen zu können.


Was vermisst du auf der Insel?

Eigentlich nichts ;) Wenn die Vorräte knapp werden, vermisse ich vielleicht mal das gute Essen.


Und zum Schluss: Fühlst du dich naturverbunden?

Ja auf jeden Fall! Ich fühle mich draußen in der Natur und an der frischen Luft sehr wohl und schätze die Natur sehr. Ich achte auch sehr darauf was ich esse und was ich konsumiere. Die Achtung vor der Umwelt ist in mir sehr tief verankert - in jedem Lebensbereich.



Weitere Informationen über die Greifswalder Oie und den Verein Jordsand findest du hier:


www.jordsand.de/schutzgebiete/greifswalder-oie

https://www.facebook.com/BiGOie.J/


Von Herzen Danke liebe Mona für den interessanten und spannenden Einblick in deinen Tätigkeitsbereich als wissenschaftliche Vogelberingerin auf der Oie.


Romy & Anne