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Erste SoLaWi Deutschlands mit Bio-Obst

Aktualisiert: 10. Apr 2019

Auf dem Obsthof bei Meckenheim von Michael und Monika Rönn startete vor ein paar Monaten die erste Obst-SolaWi Deutschlands, genannt SoLaWi RheinlandObst. Ihre Produkte haben seit 2016 Bio-Qualität. Monika, die neben der Arbeit auf dem Hof und zwei Kindern zur Zeit Agrarbetriebswirtschaft studiert, berichtet uns im Interview von Höhen und Tiefen der Umstellung und was es mit der Solidarischen Landwirtschaft auf sich hat.


Frisches Obst aus dem Biolandbau ist gesund und enthält wertvolle erhöhte Mikroorganismen. Gerade Äpfel gehören zu den ältesten Früchten auf der Erde und sind daher ungewachst, ökologisch und in ursprünglicher Qualität besonders wichtig für die eigene Gesundheit und Lebensenergie.


Bei der Apfelernte auf dem Obsthof der Rönn's

Liebe Monika,

seit wie vielen Jahren führt ihr euren Obsthof und wann erfolgte die Umstellung auf ökologischen Anbau und warum?

Der Betrieb ist von 2002 bis 2013 als GbR von Michael Rönn und seinem Vater gemeinsam geführt und dann im Juli 2013 endgültig an Michael übergeben worden. Seitdem führen wir den Betrieb gemeinsam. Seit dem August 2016 wirtschaften wir biologisch und seit 2017 auch nach den Richtlinien der Anbauverbände Bioland und Naturland.

Die Umstellung auf den ökologischen Anbau haben wir vor allem „gewagt“, weil wir den immer stärkeren Druck und den Trend von „immer größer, immer höher, immer weiter“ nicht mehr mit machen wollen. Wir möchten auch Zeit und Luft für schöne Dinge, wie Blühstreifen, Biotop-Flächen und so weiter haben.


„Eine nachhaltige und soziale Landwirtschaft steht für uns an erster Stelle. Wir arbeiten im Einklang mit der Natur und schützen und fördern so aktiv die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren auf unseren Obstplantagen. Unser Obst ist unser Beitrag für Ihr Wohlbefinden und Ihre Gesundheit.“

Welche Hürden musstet ihr bei der Umstellung von konventionellen Anbau zu ökologischen Anbau nehmen?

Die größte Hürde ist die deutlich teurere und aufwendigere Produktion, die man aber während der Umstellungszeit nicht vergütet bekommt, weil man seine Ware in der Regel nur konventionell verkaufen kann. Außerdem ist es auch von den Berufskollegen nicht nur positiv aufgenommen worden. Es gilt immer wieder dafür sensibilisieren, dass beim Pflanzenschutz besondere Rücksicht genommen werden muss.


Wie ist die Resonanz bzgl. der Umstellung auf Bio und der SoLaWi Gründung bei Kunden, Freunden und Familie?

Durchwachsen. Es gibt immer Personen, die es super finden und andere finden es nicht so gut oder es ist ihnen egal. Im Freundes- und Familienkreis ist beides ziemlich positiv angekommen. Von der Bevölkerung ist die Umstellung auf Bio grundsätzlich sehr positiv aufgenommen worden, allerdings sind unsere Verkäufe direkt ab Hof deutlich rückläufig, seitdem wir Umstellungsware (zu etwas höheren Preisen als für konventionelle Ware) an unserem Verkaufsautomaten verkaufen. Auch die SoLaWi-Gründung ist erst mal positiv gesehen worden, die Resonanz, vor allem bei uns im Ort, ist allerdings sehr gering.


Was wird auf eurem Hof produziert?

Wir produzieren Äpfel, Birnen, Johannisbeeren, Sauerkirschen und Kürbisse. Darüber hinaus bieten wir noch Laseräpfel, Apfelpatenschaften und eine Solidarische Landwirtschaft an.


Wie viel Obst produziert ihr im Schnitt jährlich?

Ca. 800t Äpfel, 50t Birnen, 3t Johannisbeeren und 6t Kürbis. Die Erträge hängen jedoch sehr stark von den Witterungsverhältnissen ab und können, wie im Jahr 2017, aufgrund einer Frostnacht auch mal schnell gegen fast Null laufen.


Monika, Mutter von zwei Söhnen, organisiert den Verkauf, Hofbesichtigungen und Apfelpatenschaften. Darüber hinaus studiert sie an der Fachhochschule in Kleve Agrarbetriebswirtschaft. Michael ist gelernter Gärtnemeister und Betriebsleiter. Er kümmert sich um den Anbau, die Technik und den Großhandel. Echtes Teamwork!

Ihr seid die Vorreiter der ersten Obst-SoLaWi Deutschlands. Wie kam es dazu?

Wir haben nach Alternativen gesucht, um unser Risiko zu verringern und da kam uns die Idee, den Verbraucher mit einzubeziehen. Wir haben dann die Solidarische Landwirtschaft als am besten zu uns passendes Modell ausgesucht. Das ganze wird auch von der Landwirtschaftskammer NRW und der Fachhochschule Südwestfalen im Rahmen eines Projekts begleitet.


Was ist eure SoLaWi und was ist sie nicht? Wer kann bei euch mitmachen?

Unsere SoLaWi ist auf jeden Fall kein Obstkisten-ABO. Es geht nicht darum, regelmäßig eine bestimmte Menge Obst zu bekommen und dabei eventuell auch noch genau die Sorten auszusuchen. Es geht vielmehr darum, die Landwirtschaft oder den Obstbau mitzuerleben, ein Stück weit mitzutragen und zu beeinflussen und dabei die Wertschätzung und den Respekt auf beiden Seiten zu erhöhen. Das Obst, das man über die Anteile erhält, ist dabei ein positiver Nebeneffekt.


Was erfüllt euch besonders bei der landwirtschaftlichen Arbeit? Was bereitet euch Freude und Sinn bei der täglichen Hof Arbeit?

Die eingerichteten Biodiversitätsmaßnahmen machen unheimlich Spaß. Wenn man durch eine Anlage läuft und einfach sieht, wie viele Insekten da fliegen und wie durch Blühstreifen Schädlinge von den Apfelbäumen in die Blühstreifen wandern und die Bäume in Ruhe lassen, ist das ein tolles Gefühl. Genauso ist ein Lob von Kunden über die Qualität der Ware ein Ansporn, weiter zu machen.


Was ist für euch gelebte Naturverbundenheit?

Für uns bedeutet das, auf die Natur zu schauen und sie zu fördern bzw. in Ruhe zu lassen. Es muss nicht jede Ecke im Betrieb aufgeräumt sein. So sammeln wir aktiv Holzstücke und Steine, um daraus wieder Rückzugsorte für Mauswiesel und Co. zu schaffen. Wir können uns daran freuen, dass trotz enormer Trockenheit immer noch Blumen, wie Wegwarte oder Wilde Möhre, durchhalten, blühen und somit Nahrungsgrundlage für die Insekten bilden.


Was sind Stress- und Frustrationsfaktoren beim Anbau und Verkauf?

Die größten Frustfaktoren sind die mangelnde Wertschätzung auf Kundenseite (Großhandel und Endkunde) und immer neue Vorurteile, gegen die man ankämpfen muss.


Was steckt hinter dem Konzept Marktschwärmer?

Kurz erklärt ist es ein Online-Wochenmarkt. Verschiedene Erzeuger bieten auf der Plattform Ihre Waren an. Der Kunde kann dort bestellen und bezahlen und dann brauchen beide nur noch an einem bestimmten Termin zu einem bestimmten Platz zu fahren und die Ware wird übergeben. Dabei haben die Verbraucher die Chance, den Landwirt mit Fragen zu löchern und die Menschen hinter den Produkten kennenzulernen.


Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Auf unserem Betrieb im Einklang mit der Natur arbeiten und diesen somit auch für unsere Kinder zu erhalten. Ob einer von den beiden den Betrieb weiter führen möchte, steht noch in den Sternen. Wir stellen die Weichen aber so, dass es möglich wäre. Wir möchten mit einem guten Gefühl produzieren und wünschen uns dafür dann auch die entsprechende Wertschätzung.


Den Obsthof Rönn und die RheinlandObst-SoLaWi unterstützen wir mit Gestaltung, Storytelling, Texten und Printmaterial.



An alle, die in der Nähe des Obsthofes wohnen, schaut doch mal bei Monika und Michael Rönn vorbei und nehmt euch saftiges und gesundes Obst mit nach Hause.


Hier geht es zur Website.


Herzlichen Dank an euch, liebe Familie Rönn!

Romy & Anne