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Liebe geht durch den Magen! Zu Besuch auf dem Kolvenbacher Ziegenhof


Im Mai waren wir zu Besuch bei Familie Rauch auf dem Kolvenbacher Ziegenhof bei Bad Münstereifel. Während einer kleinen Hofführung hatten wir die Gelegenheit mit David über seine tägliche Arbeit mit den Tieren zu sprechen und ihm bei der Käseherstellung über die Schultern zu schauen. Seit 2011 führen er und seine Frau Vanessa den Ziegenhof. Die mit Hand und Herz hergestellten Käsesorten verkaufen sie im eigenen Hofladen, auf Märkten und über regionale Verkaufsstellen. Das Wohlergehen der Tiere sowie qualitativ hochwertige und geschmackvolle Erzeugnisse, stehen für die Rauchs an erster Stelle. Das Leben und die Arbeit mit den Tieren ist für sie mehr als reiner „Brotgewinn“.


Lieber David, du hast Philosophie studiert und anschließend eine Zeit lang in der Kunstgalerie in Köln gearbeitet. Wie kamst du zu deiner Ziegenherde?

Das Thema Selbstversorgung hat mich lange Zeit interessiert und ich wollte etwas in diese Richtung machen. Ziegen haben mir schon in meiner Kindheit gut gefallen. Früher, als Triathlet, war ich mal für ein Radtraining auf Kreta. Dort liefen in den Bergen Ziegen frei herum und überall gab es alte Bauernhäuser. Dieses Erlebnis hat mich dazu inspiriert, selber ein paar Ziegen zu halten. Über einen Lehrgang der Landwirtschaftskammer zum Thema Ziegenmilchverarbeitung bin ich schließlich auf die Idee gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Dann war hier, bei Vanessas Großeltern nebenan, der Stall zu verkaufen und ich habe es einfach gewagt, ohne mich im Vorfeld intensiv damit zu beschäftigen.

Was schätzt du besonders an dem Wesen von Ziegen?

Die Ziegen sind intelligent, sehr eigensinnig und stur – genau wie meine Familie (lacht). Sie haben ihren eigenen Charakter. Es heißt immer Ziegen seien nicht so leicht zu halten, weil sie ausbrechen und alles fressen, an Hecken und im Garten Schäden anrichten. Wenn sie allerdings in der Herde gehalten werden, sind sie sehr zufrieden und pflegeleicht.

Die handwerkliche Komponente beim Käsen schätze ich besonders. Ich fühle, rieche und schmecke das Produkt - und das nicht in einem abgeschotteten Produktionsprozess in einer Industrieanlage.

Was ist besonders schön bei der Arbeit auf dem Hof und in der Käserei?

Die Arbeit ist insgesamt sehr vielseitig. Das tägliche Umsorgen der Tiere und die Heuernte im Sommer, die Käseherstellung und die anschließende Vermarktung sind sehr abwechslungsreich. Die handwerkliche Komponente beim Käsen schätze ich besonders. Ich fühle, rieche und schmecke das Produkt – und das nicht in einem abgeschotteten Produktionsprozess in einer Industrieanlage. Nach der Produktion folgt die Vermarktung des Käses in unserem Hofladen oder auf dem Markt. Der bürokratische Teil dieser Arbeit stört mich etwas. Rechnungen schreiben und Kommissionieren nehmen viel Zeit in Anspruch. In der Melkzeit von März bis November beschäftige ich deshalb Aushilfen, die das Melken übernehmen. Jeden Tag wird morgens und abends zur gleichen Zeit gemolken. Alleine schaffe ich es nicht mehr, die nun 35 Ziegen zu melken und gleichzeitig die gewonnene Milch zu Käse zu veredeln.

Was denkst du schätzen eure Kunden an dem Kolvenbacher Ziegenkäse?

Generell glauben wir, dass unsere Kunden hier aus der Region und auch von weiter weg besonders wertschätzen, wie wir unsere Ziegen halten. In den Sommermonaten bewegen sich die Tiere frei auf den eingezäunten Weideflächen und fressen frisches Gras und Kräuter von der Wiese. Im Winter sind die Ziegen dann im mit Stroh eingestreutem Stall, und genießen dort genügend Bewegungsmöglichkeit. Die Zicklein, die in den Wintermonaten geboren werden, trinken mindestens sechs Wochen Milch bei den Muttertieren. Darauf legen wir wert. Natürlich schätzen die Verbraucher auch den besonderen Geschmack unserer Erzeugnisse. Die Herstellung des Schnittkäses ist hierfür ein gutes Beispiel. Den langen Reifeprozess meiden viele größere Betriebe und verwenden Wachs als Schutzschicht. Bei unserem Herstellungsverfahren hat der Käse ausreichend Zeit zum Reifen und entwickelt durch die täglich Käsepflege eine natürliche Rinde als Schutzschicht.


Versendet ihr euren Käse auch?

Ja ein paar Stammkunden aus dem Münsterland und Westfalen erhalten von uns die bestellte Ware mit der Post. Wir sind dort alle zwei Jahre auf dem Käsemarkt in Nieheim. Der Markt ist sehr beliebt und dort lernen viele Leute unseren Käse auf dem Markt kennen.

Es gibt viele Momente, in denen mir die Arbeit Freude bereitet und mich erfüllt.

Auch wenn es viel Arbeit und an manchen Tagen auch schonmal mühsam ist.

Einen Hof zu führen bedeutet viel Arbeit und viel Verantwortung.

Was gibt dir Kraft dranzubleiben?

Am meisten die Bestätigung unserer Kunden, dass sie den Käse gerne essen und dass ihnen auch etwas fehlen würde, wenn es ihn nicht mehr geben würde.Viele sind von unseren Erzeugnissen überzeugt, weil unser Käse im Gegensatz zu der Ware, die man im Handel kaufen kann, im Geschmack sehr mild ist. Die Resonanz und der Absatz stimmen für uns. Es gibt viele Momente, in denen mir die Arbeit Freude macht und mich erfüllt. Auch wenn es viel Arbeit und an manchen Tagen auch schonmal mühsam ist.

Und welche Momente sind für dich besonders stressig und belastend?

Was mich oft stört ist, dass es immer verschiedene Dinge gibt, die gleichzeitig erledigt werden müssen. Das bedeutet dann oft Stress. Ich muss die verschiedenen Arbeitsbereiche und Aushilfen koordinieren. Wenn ich nicht da bin herrscht schnell Chaos. Das ist das Problem. Wenn beispielsweise Käsebestellungen eintreffen muss ich entscheiden welcher Käse jetzt hergestellt wird und wie viel Liter Milch dafür gebraucht wird. Dementsprechend plane ich immer nur 3 – 4 Tage im voraus. Die Pflege von erkrankten Tieren und Komplikationen beim Lammen sind natürlich auch sehr belastend. Vor allem wenn ein Tier verendet. Das kommt natürlich auch schonmal vor.

Ich möchte, dass es den Tieren gut geht und ehrlich und aufrichtig gegenüber den Konsumenten sein. Das sind die Dinge, die mir persönlich besonders wichtig sind.

Was ist deine Philosophie und dein Verständnis von fairer Tierhaltung und Lebensmittelherstellung?

Ich möchte, dass es den Tieren gut geht und ehrlich und aufrichtig gegenüber den Konsumenten sein. Das sind die Dinge, die mir persönlich besonders wichtig sind. Für mich ist es sinnstiftend etwas herzustellen, dass man essen kann. Der Käse ist ein Gebrauchswert, ein Genussmittel und manchmal auch ein Tauschmittel. Wir sind wirklich glücklich, dass wir mittlerweile viele Quellen haben, von denen wir gute Produkte günstiger oder im Tausch beziehen.

Was bedeutet für dich Naturverbundenheit bei der Arbeit auf dem Hof und im alltäglichen Leben?

Ich möchte meine Arbeit nachhaltig gestalten und sie mit der Umwelt in Einklang bringen. Wir streuen zum Beispiel keinen Kunstdünger und das Heu stellen wir selber her. Für mich persönlich gibt es manchmal diese naturverbundenen Momente, wenn ich alleine auf dem Feld bin und die Ruhe in der Natur genieße. Das ist ein Gefühl, dass ich nicht gut mit Worten beschreiben kann.

Warum habt ihr die Eifel als Standort gewählt?

Als ich in der Kunstgalerie gearbeitet habe, wohnten wir in Köln. Ich stellte irgendwann fest, dass ich mich beim Besuch der Eltern in der Eifel immer wohler fühlte. Es ist so ein Unterschied, wenn man hier eine Runde laufen geht oder in Köln im Stadtpark. Die Luft ist einfach sauberer. Ich hatte das Gefühl das Laufen geht in der Eifel gleich viel besser, wobei es hier ja immer hoch und runter geht.

Liebe Familie Rauch vielen Dank für die schöne Zeit auf eurem Hof.

Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch bei euch.

Romy & Anne

Auch Lust auf eine Hofführung bekommen? Hofbesichtigungen mit und ohne Verköstigungen können für Einzelpersonen und Gruppen bei Familie Rauch gebucht werden. Hier geht’s zu der Website vom Kolvenbacher Ziegenhof. Dort erfahrt ihr auch mehr über die verschiedenen Käsesorten und wo es diese in der Region zu kaufen gibt: www.kolvenbacher-ziegenhof.de

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