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Part 2: Der Stadtfrüchtchen Garten - Gründung und Entwicklung


Das Thema Gründung, vor allem aus dem Studium oder Job heraus, beschäftigt aktuell viele Menschen. Deshalb sprachen wir mit Miriam und Imke von den Stadtfrüchtchen aus Bonn über ihre persönlichen Erfahrungen.


Was braucht man eigentlich, um ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen? Ist es Erfahrung gepaart mit dem Mut die notwendigen Schritte zu gehen? Ist es die perfekte Idee oder ein bestimmtes Umfeld? Sind es die Marketing- und Finanzierungsskills? Oder einfach Vertrauen und das Feuer im Herzen?

Für Miriam und Imke war es der Wunsch ein Gartencafé mit eigenen Kochkursen in der Stadt aufzubauen. Doch aus zeittechnischen Gründen und dafür ungeeigneten Grünflächen, entschieden sich die beiden einen Garten anzulegen. Ein Garten im Herzen von Bonn, in dem sie ihr Wissen aus dem Studium anwenden können. Alles andere hat sich gefügt und Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Liebe Stadtfrüchtchen, wie kamt ihr zu eurem Garten?

Imke: Irgendwann habe ich die Stadt Bonn kontaktiert und wurde auf ein Gespräch eingeladen.

Miriam: Die Stadt Bonn schreibt extra Flächen für Urban Gardening aus. Diese lassen sich auch auf unserer Seite unter "Mitmachen" einsehen. Auch auf der Stadt Bonn Website gibt es dazu nähere Hinweise. Bonn ist in diesem Bereich sehr aktiv und es war für uns auch recht einfach als Privatpersonen eine Fläche zu pachten. Wir haben den Nutzungsvertrag unterschrieben und konnten los legen. Es hat für uns als Lernprojekt begonnen.

Die Details: Wie hat sich der Garten entwickelt und was habt ihr mit dem Garten miterlebt?

Miriam: Der Stadtfrüchtchen Garten ist eigentlich ein Nachbarschaftsprojekt und die Beete sind hauptsächlich von Menschen aus der Umgebung gemietet.

Imke: Letztes Jahr war es aufgrund von organisatorischen Gründen ein Hauptkriterium, dass man hier in der Nähe wohnen sollte, zum Beispiel wegen dem Auf- und Zuschließen vom Tor.

Miriam: Am Anfang war es uns wichtig, dass wir die Nachbarn mit einbeziehen und sie sich nicht ausgeschlossen fühlen. Immerhin sind sie die direkten Anwohner. Zu Beginn hatten wir die Kritik, dass wir diese Fläche nun für uns beanspruchen. Zuvor war es ein öffentlicher Platz. Das ist es natürlich immer noch, doch durch den von uns angelegten Zaun, erschien es erst mal gegenteilig. Das war vor allem zur Startphase der Fall, doch nach einer Zeit haben es die Anwohner akzeptiert und toleriert. Und natürlich ist bei uns jeder willkommen.

Imke: Es war viel Kommunikationsarbeit. Wir hatten beispielsweise ein schönes Eröffnungsfest, um über den Garten zu informieren. Und klar, wir kommen beide nicht aus der Nachbarschaft und starten hier ein Projekt - das war eine Kontroverse.

Wandlung: Was war vorher auf diesem Platz?

Imke: Vorher gab es hier einen kleinen Spielplatz, doch der wurde nicht genutzt und deshalb zurück gebaut. Stattdessen wurden Bänke errichtet, die dann Junkies angezogen haben.

Miriam: Als wir uns den Platz angeschaut haben, standen hier Bauzäune und es gab bereits keine Bänke mehr. Die Wandlung des Platzes wird mittlerweile wirklich sehr positiv aufgenommen. Ein Feedback, dass wir erhalten haben, war: „Seid ihr hier seid, können wir nachts auch wieder mit offenem Fenster schlafen. Das war vorher nicht möglich, weil sich hier so viele Menschen getummelt haben."

Wir haben erst mal einiges an Müll entsorgt, sowas wie Alkoholflaschen, Spritzen und geklaute Taschen. Doch es gibt auch einen Nachbarn, der hier schon immer fleißig aufräumt. Sonst wäre es wahrscheinlich noch mehr gewesen.

Wie seid ihr weiter vorgegangen? Habt ihr eine Gründerberatung in Anspruch genommen?

Imke: Am Anfang haben wir darüber nachgedacht, ja. Ich war in einer Vorlesung zur Erstellung eines Finanzplans. Die war mir viel zu trocken. Die anderen Vorlesungen haben nicht zu unserem Thema und Konzept gepasst. Deshalb sind wir es individuell angegangen. Wir haben uns entschieden einfach beide 300 Euro einzubringen und damit das Gartenprojekt zu starten. Sehr viel war einfach learning by doing.

Über meinen Freund Damian haben wir einige Kontakte gewinnen können und er hat uns auch bei der Websitegestaltung unterstützt. Außerdem haben wir uns mit ähnliche Konzepte vertraut gemacht, doch wir hatten bei keinem den Eindruck, dass es für uns wirklich eine Leitlinie sein kann.

Wir sind natürlich auch kein Unternehmen oder Start-Up, dass Geld generiert. Bei uns geht es um den gemeinschaftlichen Nutzen.

Miriam: Die Stadtfrüchtchen Internetseite und der Facebook Account, also unsere Präsenz im World Wide Web und in den sozialen Medien, haben uns einiges erleichtert. Dadurch konnten wir schnell unseren Bekanntheitsgrad erhöhen, haben Unterstützung und Kontaktanfragen erhalten. Darüber hinaus haben uns Freunde und Familie bei unserem Vorhaben aktiv mit unterstützt. Mittlerweile tun dies unsere Mitglieder.

Wie kamen die Hochbeete, die Wasserbehälter und ja die Gartenausstattung zu Stande?

Imke: Ein großer Vorteil von uns beiden ist, dass wir nicht so schüchtern sind. Wir sind zu den Menschen hin und haben nachgefragt. Von den Stadtwerken Bonn bekommen wir unser Wasser zum Gießen gesponsert. Auch dort haben wir einfach persönlich nachgefragt, wer für das Wasser zuständig ist. Oder die Container habe ich bei einer Baustelle entdeckt.

Miriam: Auch die Paletten, die wir für unsere Hochbeete nutzen bekommen wir mittlerweile von einem Palettenwerk gesponsert. Zu Beginn waren wir bei Baustellen oder beim Shisha Shop und haben dort nach verfügbaren Paletten gefragt.

Einen Tag haben wir eine Tour mit dem Auto unternommen und Sperrmüll Funde eingesammelt, wie beispielsweise die Töpfe von unserer Kräutertreppe, oder für andere Kleinigkeiten bei ebay Kleinanzeigen recherchiert.

Imke: Mittlerweile sind wir darin routinierter geworden. Wir wissen, wen wir bei Bedarf fragen können. Es gibt auch Kontakte, die aktiv Unterstützung anbieten. Das Stadtfrüchtchen Projekt hat sich wirklich gut entwickelt, obwohl es am Anfang noch mehr Spaß gemacht hat.

Miriam: Wir haben die Vereinsgründung fast abgeschlossen. Bei dem Prozess hat uns zum Beispiel die MIGRApolis in Bonn sehr weiter geholfen. Sie haben uns auch finanziell mit Projektgeld unterstützt.

Gründertipps: Wie war es aus dem Studium heraus zu gründen und was empfehlt ihr weiter?

Miriam: Es gibt wirklich viele Studenten, die gute Ideen haben. Allerdings heißt es oft auch: „Ja wir denken schon seit einem Jahr darüber nach“. Es existieren oft viel zu viele Gedankenkonstrukte. Ich empfehle nicht zu lange über eine Idee nachzudenken, sondern es einfach mal zu versuchen. Wenn man wirklich Lust darauf hat, dann kommt man selber zu geeigneten Kontakten.

Imke: Man muss auf jeden Fall für eine Idee brennen. Es war für mich auf einmal das Richtige - von jetzt auf gleich. Ich hatte auch schon tausende Ideen zuvor. Doch wenn die Zeit reif ist, muss man sich einfach trauen. Und natürlich hatten wir auch einander. Ich hätte es nie ohne Miriam gemacht. Es hat einfach gepasst. Man sollte sich allerdings auch bewusst machen, dass ein Projekt viel Zeit in Anspruch nimmt. Und wenn man merkt, man hat selbst nicht so viel Zeit, dann sollte man es mit anderen zusammen machen.

Wir hatten ein paar wunderbare Stunden im Stadtfrüchtchen Garten und wir werden uns auf jden Fall wieder sehen - wahrscheinlich bei Emanuel im Permakultur Paradies. Wir halten dich natürlich auf dem Laufenden.

Hier noch einmal der Link zur Stadtfrüchtchen Website.

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